noch unverbauter Blick
Im Riegel II

Was in die Bebauungspläne soll:

Auch wenn vielleicht noch nicht jedes Unternehmen den gedanklichen Schritt zu einem nachhaltigen Betriebsgelände vollzogen hat, wollen wir in unserem "Riegel II" durch den Bebauungsplan nicht nur die Funktion "Arbeitsplätze und Steuereinnahmen" erfüllt sehen. Der gesamte Standort soll für das Bewusstsein der Stadt stehen. Die Attraktivität des Standortes, die Qualität der Arbeits- und Lebensbedingungen sind beim Wettbewerb um gute Mitarbeiter entscheidende Kriterien.

Sie gehören zu den Soft Skills jedes Unternehmens und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Denn auch sie tragen Wesentliches zum Image und zur Wertschöpfung eines Unternehmens bei.
Hier stehen einige Grundsätze für ein modernes Industriegebiet, diese sollen Ihnen eine Idee vermitteln was getan werden sollte. Und der Standort "Riegel II" soll dafür stehen, dass hier nachhaltige, moderne und umweltbewusste Betriebe angesiedelt sind.


Grunderwerb und Erbbaurecht

• Grunderwerb
✋ Ein Grunderwerb kann erst dann erfolgen, wenn ein vom Gemeinderat genehmigtes Baugesuch vorliegt
Dies gibt der Stadt die nötige Kontrolle und verhindert eine nicht vorgesehene Nutzung


• Erbbaurecht
✅ Ein Erbbaurecht auf das gewünschte Gelände von 60-99 Jahre ist eine Möglichkeit für die Stadt, die Verfügungsgewalt über ihren Grund und Boden in der Zukunft zu bewahren.
Verhinderung von Spekulationsgeschäften und Schutz vor Missbrauch des Grund und Bodens
Nicht nur große Städte wie Hamburg oder Frankfurt am Main setzen vermehrt auf die Vergabe von Erbbaurechten, um sich zum einen den Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung zu erhalten und zum anderen der Spekulation mit Baugrundstücken entgegen zu wirken. Auch kleinere Kommunen wollen sich auf städtebaulicher Ebene das Instrument zur Erreichung ihrer eigenen wirtschafts-, sozial- und wohnungspolitischen Ziele erhalten - etwa die Stadt Freiburg, die in Zukunft dem Erbbaurecht den Vorrang gegenüber Grundstücksverkäufen einräumen will.
Hier gibt es eine aktuelle Studie hierzu.

Attraktive Visitenkarte: Naturnahe Firmenareale stehen für eine zukunftsorientierte Stadt und ebenso für einen zukunftsorientierten Betrieb, der verantwortungsvoll mit Mensch und Umwelt umgeht.

• Versiegelung minimieren und wenn versiegelt werden muss, eine gute Baustoff-Auswahl treffen
Naturstein ist wertbeständig. Er altert in Würde und kann wieder verwendet werden. Am besten ist es, wenn er in der Nähe gewonnen wird, und nicht von weither transportiert werden muss.
Betonpflaster Öko- oder Drainpflaster ist sickerfähig
Ziegelbruch Ziegelmaterial fällt beim Gebäudeabbruch in größeren Mengen an. Aufgrund seiner Herkunft (Ton aus heimischen Tongruben) ist es ein reines Naturprodukt.
Holz

• Lebende Materialien
Schotterrasen Schotterrasen integriert die Befahrbarkeit einer unbelebten Befestigung mit den Eigenschaften einer Vegetationsfläche.
Ingenieurbiologische Bauweisen Diese werden zur Sicherung von Böschungen oder Bachufern eingesetzt. Sie kombinieren tote Bauweise aus Steinen, Schotter und Erde mit der Wurzelkraft der Natur.
Es werden Steckhölzer oder vor Ort gewonnene Weidenruten verbaut. Die Weidenruten bewurzeln sich, treiben aus und bilden eine natürliche und lebende Armierung, die technischen Bauweisen oft überlegen ist, weil sie flexibel auf Setzungen oder Erosion reagieren kann.
Pflanzen Gehölze, mehrjährige Wildstauden, Gräser und einjährige Wildkräuter bieten ein weites Repertoire, aus dem sich der Planer bedient, um einen naturnahen, aber zugleich wirkungsvoll inszenierten Freiraum im und um das Unter-nehmen zu gestalten.
Regionale Herkunft Das Saatgut gebietsheimischer (autochthoner) Gehölze stammt aus dem jeweiligen Naturraum, ist also optimal an diesen angepasst. Die dort lebenden Tiere sind auf ihre jeweiligen Wirtspflanzen angewiesen.

• Heimische Gehölze und Bäume
Unsere heimischen Bäume und Sträucher eignen sich größtenteils gut für eine naturnahe Gestaltung von Betriebsgeländen. Es sind diejenigen Arten, die in der Naturlandschaft Baden-Württembergs natürlich vorkommen.
Standortgerechte heimische Gehölze Stehen Bäume und Sträucher zu nass oder zu trocken, zu schattig oder zu sonnig, gedeihen sie nicht und können sogar absterben. Jede Art hat ihre spezifischen Standortansprüche. Es gibt Spezialisten für feuchte nährstoffreiche Standorte wie Erle oder Esche. Hungerkünstler wie Felsenbirne oder Schlehe vertragen dagegen Trockenheit.
Hecke und blühender Saum Die Anlage einer Feldhecke kann als Rahmen entlang der Grundstücksgrenze dienen. Frei wachsende Hecken unterscheiden sich von geschnittenen Hecken. Sie wirken natürlicher und bieten Lebensraum als Vogelnähr- und Nistgehölz. Da sie nicht geschnitten werden, sind sie im Unterhalt deutlich günstiger.
Dafür benötigen sie mehr Platz. Deshalb sollte bei der Planung ihre spätere Breitenentwicklung realistisch berücksichtigt werden. Abgesehen davon, dass einseitig beschnittene Feldhecken verstümmelt wirken, sind sie auch ökologisch nur eingeschränkt wirksam

• Lebensraum Blumenwiese
Die ungedüngte, nur zweimal pro Jahr gemähte Blumenwiese ist ein artenreicher Lebensraum, der sich ideal für das Firmengelände eignet. Je magerer der Standort ist, desto bunter wird der Blühaspekt.
Je nach Standort und Boden wird man auf den Kies des Untergrundes nur eine dünne Schicht Mutterboden aufbringen bzw. den anstehenden Oberboden mit Sand abmagern.
Für die Ansaat gibt es fertige Mischungen mit unterschiedlichen Standortansprüchen.

Gebäude des 21. Jahrhunderts:

• Fassadenbegrünung
Berankte Fassaden bilden neben der erdgebundenen Vegetation und der Dachbegrünung die dritte Dimension, das vertikale Grün. Sie sind in der Lage, die sonst tote Fassade optisch und ökologisch zu beleben.


• Dachbegrünung
Ein Gründach sorgt für eine längere Lebensdauer der Dachhaut sowie eine bessere Wärmeisolierung und damit für weniger Heizkosten im Winter. Im Sommer dagegen schirmt es das Gebäude gegen die Hitze ab.
Dachbegrünung leistet einen Beitrag für die Schutzgüter Wasser, Boden und Mikroklima und ist deshalb als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme auch im Rahmen des Ökokontos anerkannt.

• Gründach und Photovoltaik
Beides auf derselben Fläche schien sich anfangs zu widersprechen. In einem Forschungsprojekt konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die Verdunstungskühle der Vegetation eine Effizienzsteigerung der Photovoltaikanlagen bewirkt, also ein Synergieeffekt entsteht.


Regenwassermanagement

• Gesetzliche Vorgabe
Vorgaben und Anforderungen ans Regenwassermanagement: Gemäß der Verordnung über die dezentrale Beseitigung von Niederschlagswasser (Umweltministerium, 1999) ist Niederschlagswasser bei Neuanlagen oder Umbauten unschädlich auf dem Grundstück zu versickern oder zurück-zuhalten.


• Kostenersparnis
Aufgrund eines Gerichtsurteils sind die Gemeinden gezwungen, rückwirkend ab 2010 die gesplittete Abwassergebühr zu erheben. Dies bedeutet, dass sich die Gebühr nicht mehr nur nach dem Wasserverbrauch berechnet, sondern zusätzlich nach der versiegelten Grundstücksfläche. Für große versiegelte Betriebsgelände kommt es deshalb zu massiven Kostensteigerungen.Mit durchlässigen Belägen oder der Versickerung des Regenwassers auf dem Betriebsgelände lassen sich über die Jahre also richtig Kosten einsparen.


"Kleine Oasen in der Arbeitswelt sind ein Plädoyer für ein Lebens­Klima, in dem der gesunde Mensch das Wichtigste ist“ Louis LeRoy
Werden wir moderne, nachhaltige Betriebe dort ansiedeln?
Ein Industriegebiet existiert nicht nur für 10 oder 20 Jahre, die Auswirkungen eines solchen Projektes reichen weit in die Zukunft.
Es ist abzusehen, dass im Jahr 2030 wesentlich verschärftere Gesetzte bezüglich zum Beispiel CO2-Verbrauch (Steuern) und Emissionen gelten werden.
Es gilt also Betriebe auszuwählen welche zukunftsfähig sind im Besten Sinne des Wortes.

Welche Betriebe wollen wir?

• Grundsätzlich sind wir für Betriebe mit einem Nachhaltigkeits- und Energiemanagement.

• Lokale Firmen werden bevorzugt und mit einen Bonus versehen.

• Firmen ohne Schwerlastverkehr werden bevorzugt und mit einen Bonus versehen.

❌ Speditionen und andere Betriebe die als Geschäftsgrundlage Schwerlastverkehr erzeugen sind abzulehnen
Siehe auch Begründung zum Industriegebiet "Riegel II"


• Firmen, welche Emissionen verursachen müssen alle geforderten Werte der „TA Luft“ und „TA Lärm“ unterschreiten.


Es darf nicht darum gehen schnell die Kosten für die Erschließung wieder herein zu holen.
Dies geschieht oft/immer natürlich mit dem „Arbeitsplätzetotschlagargument“ und in Neresheim wird es wohl auch mit dem "hohe Schulden-Argument" eingefordert werden. Stand April 2019 sind die freien Reserven der Stadt aufgebraucht und es sind nur noch "unabweisbare Ausgaben" außerhalb des Haushaltplans möglich.

Was wir zu Beginn an Fehlern vermeiden kostet später schon kein Geld um diese zu reparieren.
Nur nachhaltig wirtschaftende Betriebe dürfen angesiedelt werden. Wir müssen genau prüfen und kritisch auswählen.

Wie wird sich der Verkehr dadurch entwickeln?
Die aktuellste Prognose des „Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur“ von 2010 (das ist kein Witz) zum Verkehr geht von einer Zunahme des Schwerlastverkehrs um 39% (die Schätzung ist überholt) bis 2030 aus, also hat unsere Gesamtstadt schon bis dahin genügend zu ertragen, besonders durch die B 466 (Ohmenheim und die Kernstadt) und den Autobahnzubringer Elchingen. Nördlingen wird seine Südumfahrung bis 2030 wohl fertigstellen und die B29 kommt wohl gegen 2040.
Was das an Verkehr für unsere Gesamtstadt bedeuten wird, kann sich jeder selbst ausmalen. Und von Ortsumfahrungen in Neresheim und Ohmenheim zu träumen mag schön sein, aber fragt mal die Elchinger wegen ihrer Umfahrung. Das neue Industriegebiet und dort anzusiedelnden Betriebe müssen hierbei noch in Rechnung gestellt werden. Hierzu mehr unter „Verkehr“.


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